Jugendliche in Berlin

HERZLICH WILLKOMMEN IN UNSEREM NEUEN DESIGN.

Los ging es am frühen Montagmorgen, dem 20. Oktober auf dem Bahnhof Pirmasens-Nord. Die Mitfahrer/innen lernten sich zum ersten Mal kennen. Es war eigentlich reiner Zufall, dass wir am Bahnsteig nebeneinander standen und jeder sich gegenseitig fragte: „Du fährst auch nach Berlin?“ Dann wusste man, die gehören dazu. Man hatte auch lange Zeit, sich kennenzulernen. Schließlich waren alle früh genug da und der Zug hatte eine halbe Stunde Verspätung. In Kaiserslautern hieß es dann zum ersten Mal umsteigen. Pfälzische
LandesvertretungNatürlich musste man da den nächsten Zug nehmen und in Mannheim war man dann erst recht zu spät beim umsteigen. Dort mussten die reservierten ICE-Tickets in neue getauscht werden. Im späteren ICE waren natürlich keine Plätze mehr frei. Erst nach langem suchen der freundlichen Bahn-Beamtin fanden sich dann doch noch fünf Plätze im ICE. Leider zwar im Raucherabteil, dafür aber in der ersten statt zweiten klasse. Das ist schon ein Unterschied, wie wir gemerkt haben. Man konnte sogar Musik aus acht verschiedenen Sendern hören, wenn man einen Kopfhörer am Sitz einstöpselte.

Mit genau zweistündiger Verspätung trafen wir dann am berühmt berüchtigten Berliner Bahnhof Zoo ein. Der war wesentlich harmloser als man sich das denken würde. Einer der Mitarbeiter Lydia Westrichs aus der Rheinlandpfälzischen Landesbehörde holte uns ab. Mit dem Taxi ging es dann ins Hotel Bogota, nur wenige Schritte vom Kurfürstendamm entfernt. Eigentlich stand an diesem Tag die Besichtigung des Bundestages an. Doch aufgrund der Verspätung vertrieb man sich die Zeit bis zum Abendessen mit einem Gang über den Ku´damm. So wie in Paris die Chaussee Lysee ist das in Berlin die große Boulevardstraße. Besonders bekannt ist dort das Kaufhaus des Westens. Das KaDeWe ist aber eher für die finanzstärkere Klientel gedacht. Einem Bummel durch die Etagen stand trotzdem nichts im Wege. Beim Abendessen sahen wir dann BundestagLydia das erste Mal. Sie hatte bis dahin noch zu tun und erzählte uns von der Arbeit in der Politik. Doch nicht nur die Politik wollte sie uns näher bringen. Wir waren auch eingeladen, die Hauptstadt etwas näher kennenzulernen. Im Europacenter – einer großen Kaufhausgalerie – stießen wir auf ein Irish Pub. An diesem Abend war Karaoke angesagt. Da auch die anderen Gäste dort Schlange standen um singen zu dürfen, hatten auch zwei der fünf Südwestpfälzer den Mut, sich singend – oder sagen wir schreiend – vor das Publikum zu stellen. Ob sich der anschließende Applaus auf die Qualität des Gesanges oder eher den peinlichen Unterhaltungscharakter bezog, kann man schwer beurteilen, wenn man selbst auf der Bühne stand.

Fünf südwestpfälzer Jugendliche wurden von der SPD-Politikerin Lydia Westrich nach Berlin eingeladen. Unter anderem waren auch die beiden spot-Moderatoren Jasmin Bauer und Timo Fledie dabei. Neben der Großstadt ansich und dem Regierungsviertel stellte ein Treffen mit dem Kanzler den Höhepunkt dar. Die fünf Jugendlichen hatten auf verschiedene Weiße auf sich aufmerksam gemacht. Die eine ist Deutschlandmeisterin im Sieben-Kampf, eine andere war bei der Schülerzeitung sehr engagiert. Alle sind irgendwie in der Jugendarbeit aufgefallen. Deshalb wurden sie von Lydia Westrich, die Teile der Westpfalz im Bundestag vertritt, für vier Tage in die Hauptstadt eingeladen. - Eine Reportage mit Bildern aus Berlin

 

Am nächsten Morgen war eine Führung durch Berlin angesagt. Los gings am Brandenburger Tor. Dort wurde einem vieles über die diversen Gebäude erklärt. Auch den PotsPotsdamer Platz bei Nachtdamer Platz konnte man kennenlernen. Vor wenigen jahren war hier noch Ödland, kein Baum und kein Haus stand hier. Die Mauer war nämlich nicht sehr weit von hier. Jetzt steht dort das Sony-Center und die Daimler-Chrysler-Stadt. Rund 15 oder sogar 25 Stockwerke kann man hier hochblicken. Die Gebäude bestehen aus Büroräumen, Kinos, Restaurants und Multimedia aller Art.

Wenige Schritte weiter befindet sich der Bundesrat. Wozu ist der eigentlich gut, fragten wir uns. Er muss wohl Gesetzen zustimmen, die im Bundestag beschlossen werden. Manchmal stimmt er auch nicht zu. In einem Planspiel haben wir das selbst mal nachgestellt, wie das funktioniert. Das war wesentlich spannender als erwartet. Jeder war für ein Bundesland verantwortlich. Die Anzahl seiner Stimmen hängt von der Größe des Landes ab. Man entschied sich, folgenden Gesetzesentwurf zu diskuttieren: Die Geschäfte sollen sonntags von 9 bis 20 Uhr öffnen dürfen. Jeder durfte nach vorne kommen um sein Pro oder Contra vorzutragen. Letztlich wurde abgestimmt und die Brandenburger TorAblehnung des Entwurfs kam mit knapp der Hälfte alle Stimmen nicht ganz durch. Dann gab es aber auch noch Stimmen, die für einen Kompromiss plädierten. Dieser lautete, dass die Läden sonntags nur von 9 bis 12 Uhr geöffnet haben sollten. Letztlich bekam diese Idee die Mehrheit. Wären wir echte Bundesratsmitglieder gewesen, so hätten wir nun ein neues Gesetz.

Bei einem noblen Essen in der rheinlandpfälzischen Landesregierung wurde uns dann erläutert, warum jedes Bundesland nochmal einen Zweitsitz in Berlin hat. Die Vertreter der einzelnen Länder müssen dort für die Interessen ihres Bereiches kämpfen. Denn was für das eine Land gut ist, kann für das andere schon wieder schädlich sein. So ist es in der Südwestpfalz vor allem wichtig, Bundesstraßen und Autobahnen zu bauen. So sind die Firmen hier viel schneller erreichbar, das ist billiger. Also kommen mehr Firmen hier her und weniger junge Pirmasenser müssen weit weg ziehen um einen guten Job zu bekommen. Der Haken liegt nur darin, dass kein Geld dafür da ist. Also reißen die Landesregierungen die Gelder ständig hin und her.